St. Petersburg – liebenswertes Moloch

Panorama über St. Petersburg

Mein Besuch in St. Petersburg neigt sich dem Ende zu. Daher möchte ich euch hier ein paar Eindrücke kund tun.

Das erste was ich hautnah von St. Petersburg gesehen habe war – wie üblich – der Bahnhof. Ein hübsch genieteter Bahnhof. Wahrscheinlich um die Jahrhundertwende (19.-20.) entstanden. Er war nur ein wenig dreckig. Da ich aber den Chemnitzer Bahnhof gewohnt bin, dachte ich mir da nicht viel bei.

Der Kulturschock kam dann beim Verlassen des Bahnhofs. verdreckte FassadenMan sieht wunderschön verzierte Häuserfassaden, die leider sehr verdreckt sind. Auch die Autos auf den Straßen sind alle dunkelgrau. Da macht es auch keinen Unterschied, ob das ein Lada oder ein Jaguar ist. Beide sehen so aus, als ob sie noch nie eine Wäsche gesehen hätten. Ich nehme mal ganz stark an, dass das zum größten Teil an der Luftverschmutzung liegt. Auf den großen Brücken über die Newa riecht es so extrem nach Abgasen, dass einem schwindelig wird (und das im Winter!). Außerdem sieht man in der Ferne Fabriken und den Hafen. Das alles wird wohl die Hauptursache für den Dreck sein.

Die Stadt an sich ist wunderschön. Ich hätte nicht gedacht, dass nach der langjährigen Belagerung im 2. Weltkrieg so viele schöne Gebäude erhalten sind (oder wiederaufgebaut wurden). Leider war das Wetter sehr schlecht. Es hat ständig geschneit. Und wenn es mal nicht geschneit hat, dann hat es eben geregnet. Klaren Himmel hat man nur für wenige Minuten am Tag. Aber das habt ihr sicher schon auf dem Panorama oben erkannt.

Ich möchte noch von einigen Dingen berichten, die mir so aufgefallen sind:

1. Es ist in den Gebäuden unheimlich warm. Draußen kann es noch so kalt sein, drinnen kann man nur im T-Shirt überleben. Thermostatventile sucht man vergeblich. Scheinbar gibt es nur On oder Off bei den hiesigen Heizungen. Hat jemand eine Erklärung warum das so ist?

2. Russland ist ein Land billiger Energie. Über die Benzinpreise können Deutsche nur staunen (ein Liter Super kostet ca. 0,75 EUR). Und das in einem Land, in dem die Wurst fast genauso viel Kostet wie in Deutschland.

3. Heizen mit Strom ist auch in Russland keine Seltenheit. Dafür möchte ich auf das Bild weiter unten hinweisen. Das habe ich im Museum der Stadtgeschichte in der Peter-und-Paul-Festung aufgenommen. In den Räumen war es auch ohne die elektrische Heizung extrem warm (devinitiv mehr als 22° C). Außerdem gab es in einem anderen Raum einen Ventilator, der die ganze Zeit lief. Das hat mich doch sehr erstaunt. Leider war das Fotografieren dort eigentlich verboten, daher müsst ihr mir das mit dem Ventilator einfach glauben.

elektrisch heizen

Normalerweise sitzt in jedem Raum eine Frau und passt auf. Die hier war aber wahrscheinlich gerade auf der Toilette. Kalt wird ihr aber so schnell nicht werden.

Ich denke, dass man in Russland durchaus mit Energie umzugehen weiß. Nur hat man hier noch nie wirklich einen Grund gehabt Energie zu sparen. Strom kommt aus dem AKW und Benzin und Gas aus Sibirien.

St. Petersburg ist eine eher kalte Stadt. Außerdem liegt sie am Meer, also sollte es auch im Sommer nicht so brütend heiß werden wie in kontinentaleren Gegenden (wie zum Beispiel Moskau). Wozu brauchen die in einem großen Bürohaus zig separater Klimaanlagen (siehe Bild unten)?

klimaanlagen in sankt petersburg

Vielleicht fällt euch ja eine gute Begründung ein. Ich melde mich dann aus Moskau das nächste Mal.

 

Liebe Grüße euer Christian