Moskau! Moskau! …

Skylien moderes Moskau

Vorgestern bin ich endlich im Herzen Russlands angekommen. Und ich bin erstaunt, wie anders Moskau ist. Nach neun Stunden Zugfahrt fühle ich mich schon fast wie auf einem anderen Kontinent. Besonders fasziniert hat mich aber die Architektur.

Hier in Moskau existieren – ganz grob gesehen – drei verschiedene Epochen parallel. Eine zaristische, eine kommunistische und eine moderne postkommunistische Epoche. Letztere versteckt sich gern auch mal in den Bauwerken der anderen Epochen. Trotz des stalinschen Fanatismus, der alles zaristische vernichten wollte, ist doch sehr viel davon erhalten.

Blick über den roten Platz in MoskauDie Gebäude aus der Zarenzeit findet man fast ausschließlich im Zentrum der Stadt. Zum Beispiel der Kreml und nahezu alle anderen Gebäude um den roten Platz herum (auch das Kaufhaus Gum). Die Christ-Erlöser-Kathedrale theoretisch auch, obwohl die ja erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wiederaufgebaut wurde. Moskau gilt übrigens nicht ohne Grund als russisches Rom. Hier gibt es enorm viele Kirchen aber auch kleine Kapellen, die einfach mal am Straßenrand auftauchen. Auch das eine oder andere Zarendenkmal findet man noch in der Stadt. Wann genau die allerdings gebaut wurden, dass weiß ich nicht.

 

verfallener prunkbau

Der Zuckerbäckerstil und die kommunistischen Denkmäler sind in der ganzen Stadt zu finden. Eine der sieben Schwestern sieht man immer in der Stadt. Und auch irgendein Lenindenkmal. Die kommunistischen Prachtbauten sind durchaus schön. Leider verfallen einige davon. Das wiederum übt eine gewisse morbide Faszination aus. Auf dem Bild kann man den Verfall recht deutlich erkennen. Man kann sich aber noch sehr gut vorstellen, wie das Gebäude früher ausgesehen haben muss. Es ist definitiv auch heute noch ein Gebäude mit viel Ausstrahlung, denn es ist mir bei meinem Spaziergang sofort aufgefallen.

 

panorama der moscow city

Das Beste Beispiel für das moderne Russland ist natürlich Moscow City. Hier entsteht das kleine Manhattan Moskaus (so die Eigendarstellung). Ich muss aber zugeben, dass es schon jetzt (obwohl teilweise noch unfertig) sehr ansehnlich ist.

Ein Teil des modernen Russlands nutzt aber auch gern die Gebäude der beiden älteren Epochen. Ob das nun Porsche im Kaufhaus Gum ist, oder McDonald’s zu Stalins Füßen. In Russland denkt man pragmatisch.

Gerade in Moskau sieht man eben diesen Pragmatismus der hier in Russland vorherrscht ganz extrem. Schließlich liegen hier die wichtigsten Persönlichkeiten der UdSSR direkt vor der Kremlmauer, die von den Zaren erbaut wurde. Und hinter dieser Mauer residiert heute das moderne Russland.

Ein weiteres Beispiel für erwähnten Pragmatismus kann man bei der ehemaligen Allunion-Ausstellung betrachten. Dort wurden aus ehemaligen kommunistischen Prachtbauten Tempel des Kapitalismus. In einigen Pavillions der ehemaligen Sowjetrepubliken bekommt man auch tatsächlich Spezialitäten aus eben diesen. In den anderen bekommt man alles andere!

Kurz um: Moskau fasziniert. Es ist nicht nur ein Schmelztiegel der Völker, sondern auch der Epochen.

heizung in moskauEine ganz wichtige Entdeckung habe ich natürlich auch noch gemacht: Das erste Heizungsventil seit meiner Abreise! Nur die Position der dazugehörigen Heizung ist eher ungewöhnlich: mitten an einer leeren Wand. Nebenan das Fenster. Auch der Heizkörper selbst hat eine Form, die ich so noch nicht kenne.

 

Das soll es erstmal aus Moskau gewesen sein. Wenn ich es schaffe, dann melde ich mich kurz vor dem Flug nach Peking nochmal.

Liebe Grüße aus Moskau, Christian