Im Zentrum vom Land der Mitte

Beijing

Hallo liebe Leser, – ihr habt lang nichts von mir gehört. Das liegt daran, dass ich jetzt in China bin und hier erhebliche Probleme hatte an den Blog zu kommen. Nicht nur der Internetzensur wegen, sondern auch, weil mein WLAN-Stick defekt war. Mittlerweile habe ich einen neuen Stick. Leider musste ich dafür auch ein neues Linux installieren. Und das in der Ferne…

Aber jetzt zu Beijing:

Ich bin vor einigen Tagen aus Moskau eingeflogen. Um 01:00 Uhr nachts bin ich in Beijing gelandet, und ca. um 03:00 Uhr in der Innenstadt angekommen. Was mich ein wenig gewundert hat: Selbst am Wochenende werden in Beijing ca. um 22:00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Polizisten sind die einzigen Menschen die man zu dieser Zeit noch antrifft. Bei meiner Ankunft sah die Stadt also eher aus wie eine Geisterstadt; nicht wie eine Hauptstadt. Das sollte sich jedoch am nächsten Morgen gewalltig ändern.

Gewusel

Ab 05:00 Uhr ist hier überall ein unheimliches Gewusel. Dann ist Beijing ganz anders. Es scheint, als seien alle 18 millionen Einwohner gleichzeitig auf der Straße. Und das wäre auch nicht so ungewöhnlich, denn die Chinesen verlegen einen Großteil ihres Lebens in den öffentlichen Raum. Hier kann es nicht nur vorkommen, dass man sieht wie sich jemand auf der Straße die Haare wäscht, sondern auch der Frisör, der Schuhmacher, oder die Näherin von nebenan bieten ihre Dienste unter freiem Himmel an.Naeherin Das sieht man natürlich nicht direkt in der Innenstadt. Dafür muss man die alten Hinterhöfe Pekings suchen. Das wiederum fällt weniger schwer als ich zunächst dachte. Selbst sehr nah am Zentrum findet man direkt hinter sehr schönen, neuen Gebäuden alte Hinterhöfe. Hier gibt es Mietskasernen aus der Zeit Maos, aber auch noch ältere kleine Gebäude die extrem dicht beieinander gebaut wurden. Leider wird man da als Fremder eher ungern gesehen. Daher konnte ich diese eigentlich sehr interessanten Gegenden nicht erkunden. Mehr als einmal kam mir ein Chinese entgegen, und machte mir unmissverständlich klar, dass ich hier nichts zu suchen hätte. Schade.

 

 

Kurz nach meiner Ankunft wurde ich übrigens auch schon mit einem recht großen Problem Beijings konfrontiert: Wasserknappheit. Auf der Toilette waren über den wasserlosen Urinalen kleine Plaketten angebracht, auf denen man lesen konnte, dass die Urinale wasserlos sind, um die Wassersparziele der Regierung zu erfüllen. Angeblich würden so 150.000 l Wasser pro Jahr und Urinal eingespart. Nicht schlecht! Und das wird hier auch nicht ohne Grund getan. Beijing ist eine sehr sehr trockene Stadt. In der Innenstadt sieht zwar alles schön grün aus; geht man aber mal etwas weiter aus der Stadt hinaus, dann sieht und fühlt man die Trockenheit. Das Gras wird gelb und weniger dicht, und man bekommt ständig Sand ins Gesicht geweht. Das Wassersparprogramm spürt man auch nicht nur bei den Toiletten am Flughafen. In der ganzen Stadt ist der Druck in den Wasserleitungen enorm niedrig. Leider konnte ich nicht genug über die Wasserversorgung der Stadt in Erfahrung bringen. Ich weiß also nicht wieviel Abwasser wiederaufbereitet wird. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man mit einer dezentralen Wasserreinigung, die Nettowasseraufnahme drastisch verringern könnte. Das zentral zu regeln macht in einer so großen Stadt wie Peking wahrscheinlich keinen Sinn. Hier wäre jede noch so große Anlage schnell überfordert.

Die Trockenheit hat noch einen anderen Nebeneffekt: über Beijing residiert normalerweise eine gigantische Smogglocke. Auch St. Petersburg hatte ein Smogproblem. Da es in Beijing aber so trocken ist, werden die Partikel nicht so oft aus der Luft gewaschen. Das sorgt dafür, dass die Fassaden der Häuser nicht so stark verschmutzt werden. Eine Ausnahme bilden hier jedoch die riesigen Marmorflächen der historischen Gebäude. Gerade in der verbotenen Stadt gibt es enorm viel Marmor. Aber nahezu alle Marmorflächen sind vom sauren Regen in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Sicht wird durch die Smogglocke sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Sehr häufig sieht es hier so aus, als wäre es sehr nebelig, dabei ist eigentlich klarer, wolkenloser Himmel.

Smog

In Peking müssen in nächster Zeit also zwei drängende Probleme gelöst werden, um weiteres Wachstum zu ermöglichen:

  • Beseitigung des Wasserproblems (und Bekämpfung der voranschreitenden Desertifikation)
  • Bekämpfung des Smogs

Das soll es erstmal aus Beijing gewesen sein. Leider habe ich immernoch ein kleines Problem mit meinem WLAN. Ich hoffe aber, dass das an der WLAN-Infrastruktur meiner Unterkunft liegt, und in Xi’an besser wird.

Liebe Grüße in die Heimat,

Christian