Xian – zwischen Alt und Neu

Xian bell tower

Ich bin nun in Xian angekommen. Der alten Hauptstadt Chinas. Hier liegen die ersten Kaiser Chinas begraben. Heute ist Xian für chinesiche Verhältnisse eher eine kleine Großstadt. Im Großraum wohnen ca. 8 mio. Menschen. Das merkt man irgendwie auch, wenn man aus dem Zug kommt. Was als erstes auffällt: niemand spricht mich hier an, um mir etwas zu verkaufen.

Meine Zugfahrt nach Xian war sehr interessant. Als ich in mein Schlafwagenabteil gekommen bin, waren da bereits zwei Chinesen. Auf meine Frage, ob sie denn Englisch sprächen bekam ich (typisch China) eher Zurückhaltung zu spüren. Nachdem ich mich eingerichtet hatte, und der Zug schon auf der Fahrt war kam ich dann aber doch mit den Beiden ins Gespräch. Frank (sein chinesischer Name ist leider viel zu kompliziert) sprach Englisch und hat direkt für Chang Li (die zweite chinesische Mitreisende) übersetzt. Wie sich herausstellte arbeitet Frank für eine Firma, die für China Mobile unter anderem auch Energiemanagement machen. So sind wir direkt ins Gespräch gekommen. Am Rande: es ist sehr interessant, wie man unsere tägliche Arbeit reduziert, wenn man sich möglichst einfach verständigen muss, um Sprachbarrieren zu überwinden.

Nach der Ankunft in Xian hat mich Frank auch direkt noch auf einen „chinesischen Hamburger“ eingeladen. Der war echt sehr lecker. Das merke ich mir für meinen restlichen Chinaaufenthalt. Nur die Suppe, die es dazu gab war extrem scharf. Das wäre wohl eher was für Mario 😉

Xian war mir sofort viel sympathischer als Peking. Weniger hektisch, besseres Wetter, weniger Smog und das beste Hostel bis jetzt. Ich wohne hier auf einem recht großen Areal direkt hinter der Stadtmauer (nebenbei: die längste erhaltene Stadtmauer Chinas, und wirklich beeindruckend). Das Gelände des Hostels ist (typisch China) von einer Mauer umgeben. Im Inneren ist es daher sehr ruhig, und entspannt. Man fühlt sich hier wie in einem kleinen Dorf. Wenn man aber durch die Tür nach draußen geht ist man inmitten von 8 Millionen Chinesen und einigen Touristen. Die Menschen hier drin sind sehr entspannt und international. Das komplette Personal kann Englisch, kurz: hier fühle ich mich richtig wohl.

Xian selbst ist fazinierend, weil es hier – meiner Meinung nach – ein gutes Gleichgewicht zwischen dem historischen Stadtbild und der Moderne gibt. Die Innenstad ist wie gesagt von einer gigantischen Stadmauer umgeben. Im Zentrum steht der Glockenturm. Ein wirklich imposantes altes Gebäude (siehe Titelbild). Drumherum entsteht aber eine typisch moderne chinesische Metropole mit Hochhäusern und breiten Straßen. Die Straßen waren allerdings schon zu Zeiten der Kaiser so breit. Auch faszinierend: in Xian steht die größte Moschee Chinas. Es gibt sogar ein großes muslimisches Viertel mit engen Gassen, in denen man alles mögliche kaufen kann. Die Gerüche sind faszinierend, und erstrecken sich von „sehr gut“ über „exotisch“ zu „nahezu unerträglich“. Ein wahres Gewitter für die Sinne, wenn man die ganze Leuchtreklame noch hinzunimmt. Asien ist einfach nur wahnsinnig interessant. In Peking habe ich einen Indonesier getroffen, dem ich erzählte, dass ich zum ersten Mal in Asien sei. Er meinte: „You will love it!“. Er hat nicht übertrieben.

Kabelmanagement in XianNatürlich gehe ich immer mit offenen Augen durch die Stad. Auch diesmal haben sich mir die Klimaanlagen ins Blickfeld gedrängt. Aber da die mich schon seit St. Petersburg verfolgen, versuche ich sie mittlerweile auszublenden. Stattdessen habe ich zwei schöne Fotos vom „Leitungsmanagement“ der Stadt eingefangen. Das erste entstand mitten in der Innenstadt. Genauer: in einer Querstrße einer der beiden Hauptachsen. Es zeigt einen Kabelmast, an dem unendlich viel Kupferkabel hängt. Ich nehme an, dass das Fernseh, oder Telefonkabel sind. Die werden hier wohl „von privat“ vom nächsten Knotenpunkt zur Wohnung gezogen. Anders kann ich mir dieses Kabelwirrwar nicht erklären. Hochspannungsleitungen downtownDas andere Foto zeigt, dass hier in China die Hochspannungsleitungen auch direkt durch die Stadt verlaufen können. In Deutschland wären diese Leitungen direkt unter der Erde verschwunden. Hier nicht. Ich nehme an, dass das vor allem aus Kostengründen so entschieden wurde. Ein besonderes Detail ist, dass diese Hochspannungsleitungen über einer Fußgängerüberführung verlaufen. Einige Meter über meinem Kopf. Ich habe es sicherheitshalber unterlassen zu hüpfen 😉

Man sieht auf dem Foto übrigens noch weitere interessante Dinge. Zum Einen ein typisches Bild für China: Baustellen, zum Anderen das Verkehrsleitsystem. Das gab es auch in Peking schon. Dort kann man als Autofahrer sehen, wie verstopft die Straßen in der unmittelbaren Umgebung sind. Michinteressiert brennend, ob das wirklich etwas bringt. Falls ihr jemanden kennt, der sich damit auskennt, dann fragt doch bitte Mal nach.

Morgen werde ich mir die größte archäologische Entdeckung des 20. Jahrhunderts anschauen: das Mausoleum des ersten Kaisers von China, Qin Shihuangdi. Er hat sich mit einer ganzen Armee (wörtlich gemeint) von Terrakottakriegern begraben lassen. Man könnte das als Wahnsinnig bezeichnen. Wenn man aber bedenkt, dass sich seine Vorfahren nicht mit Terrakotta begnügten, sondern lieber echte Soldaten mit ins Jenseits nahmen, dann relativiert sich das Ganze wieder etwas.

Jetzt will ich euch allen nur noch liebe Grüße aus der Ferne hinterlassen. Bei mir wird es nämlich langsam spät, weshalb ich jetzt zum Ende komme.

Tschüss, Christian aus China

PS: Verzeiht die wenigen Bilder, aber es ist ein echter Krampf die mit der schlechten Internetverbindung hier hochzuladen. Wenn ich wieder in Deutschland bin werde ich mit Sicherheit ein paar mehr Bilder zeigen können.

PPS: Lieber Daniel, vielen Dank für deinen Support aus der Ferne!

PPPS: Liebe Antje, ich werde jetzt öfter auch etwas über meine Unterkünfte schreiben 😉