Hong Kong – Asiens erwachsener Tiger

Skyline von Hong Kong

 

Hallo liebe Leser,

zunächst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass der Blogpost etwas auf sich hat warten lassen. Leider hatte ich durch Verzögerungen in Shanghai einen Tag weniger in Hong Kong. Die Zeit die mir blieb musste ich natürlich ausgiebig nutzen. Daher hatte ich keine Zeit für den Blog. Jetzt möchte ich das aber nachholen.

 

Hong Kong ist eine großartige Stadt. Die Skyline ist gigantisch (wenn auch nicht ganz so leuchtintensiv wie die von Shanghai). Auch das Leben hier ist fantastisch. Hier treffen wirklich alle Kulturen aufeinander. Die Stadt ist doch wesentlich internationaler als jede andere chinesische Stadt, die ich besucht habe. Leider ist das Klima hier sehr anstrengend. Es sind zwar „nur“ um die 30 °C im Schatten, dafür liegt die Luftfeuchtigkeit aber bei ca. 80 %. Hier muss jeder Schritt sorgfältig geplant sein. Das merkt man auch an der Bauweise der Stadt. Häufig kommt es vor, dass man große Strecken innerhalb von Gebäuden, die miteinander verbunden sind, zurücklegt. Natürlich klimatisiert. In Kowloon (dem Zentrum des Lebens in Hong Kong) geht das leider nicht immer. Hier wiederum gibt es einige Fußgängerbrücken, die teilweise mehr als nur eine einzelne Straße überbrücken, die ebenfalls klimatisiert sind. Die Klimaanlagen haben übrigens einen erstaunlichen Nebeneffekt: Es regnet, obwohl keine Wolke am Himmel ist. Das liegt daran, dass die Fenster hier schlecht isolieren, und die Klimaanlagen die Raumluft auf ca. 21 °C abkühlen. Das führt dazu, dass sich enorm viel Kondenswasser an allen Fenstern bildet. Da es aber in Hong Kong generell viel regnet sind – zumindest in Kowloon – alle Fußgängerwege überdacht. Man bekommt also recht wenig von dem Kondenswasser ab.

 

Klimatisierte FußgängerbrückeIch hatte ja schon erwähnt, dass hier jeder Schritt gut bedacht sein sollte. Das haben die Stadtplaner in ihrem Fußgängerkonzept eingeplant. Die Fußgängerbrücken haben in der Regel eine Rolltreppe. Allerdings eben nur eine einzige. Diese fährt auch immer nach oben. Weil das dem Fußgänger eben mehr Energie abverlangt. Generell muss ich sagen, dass die Stadt sehr durchdacht wirkt. Hong Kong ist eben schon sehr lang eine boomende Metropole. Auf mich wirkt sie im Vergleich zu Shanghai „erwachsen“.

 

 

 

 

Enge Bebauung in Hong KongEin Problem mit dem Hong Kong und Macau zu kämpfen haben ist die Nachfrage nach Fläche. Macau hat generell nur eine kleine Fläche. Hong Kong wiederum hat sehr bergiges Gelände. Daher kann hier nicht alles bebaut werden. Es gibt ein paar Villen in den Bergen, aber die sind unbezahlbar teuer, und liegen eigentlich permanent im Nebel. Macau versucht dem Meer Land abzugewinnen. Es gibt einen ganzen Stadtteil, der dem Meer abgerungen wurde. In Hongkong scheint selbst das nur bedingt möglich. Wahrscheinlich weil das Wasser hier in der Regel viel tiefer ist als in Macau. Daher bleibt hier nichts als hoch hinaus und sehr eng bauen. Auf Hong Kong Island (dem Geschäftsdistrikt) ist es sogar so eng gebaut, dass man fast gar nicht auf die Straße muss / kann. Das führte übrigens auch dazu, dass ich mich ständig verlaufen habe, denn die Wege innerhalb der Gebäude sind auf keiner Karte eingezeichnet.

 

Wie schon angedeutet ist die Bausubstanz Hong Kongs generell schlecht isoliert. Die meisten Wohngebäude sind im Rahmen eines gigantischen Wohnungsbauprogrammes in den fünfziger und sechziger Jahren entstanden. Hier hatte man offensichtlich noch nicht die Möglichkeiten wie heute. Da müsste sich eigentlich dringen etwas dran ändern. Allerdings ist es – wieder auf Grund des Platzmangels – schwer ganze Wohnblöcke still zu legen, um die Isolierung von Grund auf zu ändern. Das ist aber der wichtigste Schritt, um hier Energie zu sparen. Ein weiterer Schritt wäre es die Klimaanlagen zu drosseln. Wenn man hier in ein Einkaufszentrum kommt erfriert man eigentlich. Der Temperaturunterschied ist gigantisch. Hier kann man eigentlich nur krank werden. Die Regierung Hong Kongs hat ein Gesetz erlassen, wonach die Klimaanlagen in Gebäuden der Stadt nur noch auf 26 °C herunterkühlen dürfen. Leider gilt das eben nur für die städtischen Gebäude. Auch müsste man dringend etwas an den dezentralen Klimaanlagen ändern; sie wenigstens intelligent steuern. Wenn es hierfür ein Gesetz gäbe könnte der Stromverbrauch in der Stadt wesentlich gesenkt werden. Warum baut man Klimaanlagen eigentlich nicht ähnlich wie Heizungen in Deutschland? Kann man nicht einfach einen großen, mit kaltem Wasser (oder einer anderen Flüssigkeit) durchfluteten Heizkörper an die Decke montieren? Man muss den Raum ja nicht übermäßig kühlen. Ein paar Grad würden schon reichen. Klar muss man auch diese Flüssigkeit kühlen, aber vielleicht kann man dafür ja kalte Strömungen im Meer nutzen?

 

Auf jeden Fall gibt es mit neuen Klimakonzepten noch viel Geld zu verdienen. Ich denke dabei nicht nur an die Asiatischen „Tigerstaaten“, sondern auch an die Golfstaaten. Die Bevölkerung in den warmen Regionen der Erde wächst und wächst. Und all die Menschen wollen Klimaanlagen!

 

Ich würde gern noch viel mehr zu Hong Kong schreiben, aber in zwei Stunden fährt mein Zug. Ich muss schon wieder los. Urlaub ist diese Reise hier definitiv nicht. Dafür ist sie zu stressig 😉

Liebe Grüße an alle, die mir regelmäßig Folgen

Christian

PS: Ich habe es in Shanghai leider nicht bis zur Mündung des Jangtsekiang geschafft. Ohne Kenntnisse der chinesischen Sprache ist es leider fast unmöglich mit dem Bus zu fahren, und ein Taxi währe viel zu teuer gewesen 🙁