Vietnam – Entwicklungsland am Anfang eines langen Weges

Straßenverkehr in Hanoi

 

Hallo liebe Leser,

heute berichte ich euch aus Ho-Chi-Minh-Stadt über Vietnam. Früher hieß die Stadt Saigon, was die meisten vielleicht eher kennen.

Das erste was an Vietnam auffällt ist, dass die Menschen hier sehr freundlich sind. Sie sind immer hilfsbereit. Das nächste was auffällt (besonders wenn man wie ich auf dem Landweg einreist) ist, dass Vietnam doch ein recht armes Land mit relativ geringem Organisationsgrad ist. Essen kann man hier schon für 2 – 3 US-Dollar (ja, ausgerechnet der US-Dollar ist hier die wichtigste Währung nach dem Vietnamesischen Dong). Unterkunft bekommt man auch schon ab 5 Dollar, wobei man dann nicht sonderlich hohe Ansprüche haben darf. Ich habe eine recht gute Unterkunft gefunden. Über das Zimmer kann ich mich eigentlich nicht beklagen. Ich habe eine Klimaanlage, einen Kühlschrank, und sauber ist das Zimmer auch. Es ist sogar ruhig, obwohl es sehr zentral liegt. Nur an das Frühstück traue ich mich nicht mehr ran, als mich neulich Ameisen aus der Marmelade begrüßten. Aber Frühstück war ja noch nie so wirklich mein Ding.

Zugfahrt durch Vietnam

Eine Sache möchte ich euch aber nicht vorenthalten: Das Schöne am Zugfahren. Ich musste Vietnam ja in Nord-Süd-Richtung durchqueren. Das geht am Besten mit der Bahn. Zugtickets sind hier auch recht günstig. Für die 30-stündige Reise habe ich umgerechnet ca. 60 Euro ausgegeben (ich muss zugeben, dass ich mir die „Luxusklasse“ gegönnt habe). Zwar war die Reise an sich recht holprig (der Zug war ca. 30 jahre alt, die Gleise wahrscheinlich noch viel älter), aber die Aussicht war beeindruckend. Da Vietnam ein sehr bergiges Land ist (vor allem in Zentralvietnam), und an der schmalsten Stelle nur ca. 50 km „breit“ ist, fährt der Zug teilweise nur drei Meter neben der Küste. Dazu hatte ich strahlend blauen Himmel. Göttlich. Hier konnte ich die ländliche Schönheit von Vietnam mal so richtig genießen. Da ich meistens bei Nacht fahre, und mich nur in Großstädten aufhalte, war das doch eine sehr willkommene Abwechslung.

Das Meer vom Zug aus
Ein paar Dinge, die mir an Vietnam aufgefallen sind möchte ich euch natürlich berichten.

Hund auf dem MotoZu dritt auf dem Moto

Da ich mit dem Bus aus China angereist bin (der Zug wäre doppelt so lang gefahren), habe ich natürlich zunächst den Straßenverkehr kennengelernt. Und schon der ist ganz anders als in den Ländern, die ich bisher bereist habe. Selbst auf den Fernverkehrsstraßen sieht man nahezu keine Autos. Hier fahren nur LKWs, ein paar wenige Busse, und ganz viele Mofas. Eigentlich wird hier alles mit dem Mofa erledigt. Für die Vietnamesen ist es auch gar nicht unüblich, dass man zu dritt mit dem Mofa fährt. Auch kann man damit offensichtlich alles transportieren. Sogar der Hund nimmt scheinbar sorglos eine Fahrt mit dem Moto, wie es hier genannt wird, hin. In den Städten sieht man dann schon eher Autos. Zu 80 % sind das aber Taxis. Die wenigen Privatautos auf den Straßen haben es auch nicht sonderlich leicht. Die Motofahrer haben immer einen guten Überblick, und sind sehr wendig. Etwas was die Autos hier nicht bieten können. Daher hupen Autos auch ständig, um die Motos darauf aufmerksam zu machen, dass hier jemand großes kommt. Bei Bussen ist es sogar noch extremer. Die fangen automatisch an zu piepen, wenn sie blinken, damit die Motos noch rechtzeitig ausweichen können. Für mich als Fußgänger erschien die Verkehrssituation zunächst extrem gefährlich. Es gibt zwar Ampeln, aber viele Fahrer sehen diese mehr als Hinweis an, dass etwas kommen könnte. Zudem gibt es wenige Fußgängerampeln. Man muss hier schon gucken, ob die Motos gerade rot haben, oder nicht. Ansonsten gilt für Fußgänger: nicht abrupt stehen bleiben, oder loslaufen. Man muss signalisieren, dass man gerade über die Straße geht. Dann weichen die Motos schon irgendwie aus. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dann funktioniert das auch ganz prima. Verkehrsunfälle habe ich hier noch keine gesehen. Man sieht hier also sehr schön, dass es auch ohne staatliche Organisation irgendwie zu funktionieren scheint.

Das nächste was mir auffiel war die wesentlich geringere Zahl von Klimaanlagen. Zwar sind die Hotels meist alle damit ausgerüstet, aber Läden, öffentliche und auch private Gebäude behelfen sich fast ausschließlich mit Ventilatoren. Generell ist die technische Gebäudeausrüstung auf einem recht niedrigen Niveau. Wasser wird (wenn überhaupt) nur dezentral erwärmt. Heizungen gibt es nicht (warum auch, hier ist es immer warm). Selbst Wasserhähne bieten nur die Optionen „an“ oder „aus“. Eine Unterscheidung zwischen warmen und kaltem Wasser findet hier nicht statt. Man bekommt immer lauwarm. Das gilt sowohl für öffentliche Gebäude, als auch für die günstigeren Hotels. Wie es bei den teureren Hotels aussieht weiß ich nicht, aber ich gehe davon aus, dass die Luxushotels schon besser ausgestattet sind. Für die ennovatis bedeutet das aber, dass der vietnamesische Wohnungsmarkt eher uninteressant ist. Ich schätze auch, dass das noch für eine Weile so bleiben wird, denn das Land vorerst ganz andere Probleme.

vietnamesisches Dorf vom Zug aus fotografiertIm Moment kämpft das Land mit einer hohen Inflation und daher hohen Zentralbankzinsen. Das bedeutet auch, das weniger Geld investiert werden kann. Gleichzeitig leben in Vietnam 70 % der Bevölkerung auf dem Land, und 50 % der Arbeitskräfte sind Bauern. Diese Zahlen müssten sich noch drastisch ändern, damit der Wohnungsmarkt für die ennovatis interessant wird.

Anders sieht es da schon aus, wenn man sich die Industrieprojekte anschaut. In Vietnam werden viele Textilprodukte für den westlichen Markt hergestellt (vor allem Schuhe). Westliche Konsumenten schauen aber immer mehr auch auf die Produktionsbedingungen. Die Global Player der Bekleidungsindustrie beginnen das auch immer mehr einzusehen. Hier ist schon eher ein Ansatz für die ennovatis zu finden. Im Bereich des Umweltschutzes (gerade beim Thema Abwasser) kann man auch hier Geschäfte machen. Man braucht allerdings dringend westliche Partner, die in Vietnam produzieren lassen, und Druck auf ihre Zulieferer ausüben, die Umwelt zu schonen. Wenn Skandale ans Tageslicht kommen, dass die Textilindustrie chemisch verseuchte Abwässer ungeklärt in die vielen Flüsse Vietnams leitet, schadet das den Marken schließlich enorm. Und hier kommt die Automatisierung ins Spiel. Wenn die westlichen Abnehmer sicherstellen wollen, dass ihre Zulieferer alles für den Umweltschutz tun, dann kommen sie nicht drumherum die Anlagen zu automatisieren, und so den Einfluss der Fabrikanten auf den Umweltschutz zu verringern. Denn denen ist es am Ende leider häufig egal. Gerade China kann man hier als gutes Beispiel anführen. Auch hier ist die Industrie enorm gewachsen. Und zwar auf Teufel komm raus. Die Umweltproblematik hat dabei leider eine sehr untergeordnete Rolle gespielt (ich habe darüber ja bereits im Blog berichtet). Vietnam steht noch sehr am Anfang seiner Industrialisierung. Da aber eben die staatlichen Strukturen eher schwach ausgebildet sind, braucht man eher nicht auf Gesetze hoffen, die hier für Abhilfe sorgen. Und selbst wenn solche Gesetze erlassen werden heißt das hier noch lange nicht, dass sie auch eingehalten werden.

Zum Marktpotential Vietnams kann man also sagen, dass es ein paar Nischen gibt, die man auch jetzt schon besetzen kann. Wirklich lukrative Geschäfte wird man aber nur sehr langfristig erwarten können.

Übermorgen geht es nach Kambodscha. Ich bin schon sehr gespannt, was mich da alles erwarten wird. Liebe Grüße in die Heimat,

Christian