Kambodscha – arm aber schön

Angkor Wat

Hallo liebe interessierten Leser,

heute will ich euch über Kambodscha berichten. Einem Land voller netter Menschen, die immer lächeln. Einem Land voller Armut, aber eben auch voller Schönheit.

Kind bei der ArbeitDie Armut im spürt man leider schon kurz nach der Ankunft. Direkt hinter der Grenze kam ein kleines Kind in den Bus und wollte den Reisenden etwas zu essen verkaufen. Auch in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas sieht man viele Kinder an den Verkaufsständen. Generell ist es so, dass man wenige alte Menschen sieht. Das hat vor allem mit dem Terror der Roten Khmer zu tun. Damals sind viele Menschen umgekommen. Heute erholt sich das Land wieder allmählich von den Wirren der Terrorherrschaft, aber die Spuren sind überall zu sehen. Sogar Angkor ist davon betroffen. Angkor ist eine versunkene Stadt im Norden Kambodschas. Sie war die Hauptstadt des alten Khmer-Reiches, und damals eine der größten Städte der Welt. Hier steht auch die größte Tempelanlage der Welt. Angkor Wat (und viele weitere Tempel). Angkor war auch das wichtigste Ziel meiner Reise durch Kambodscha. Daher habe ich meinen Aufenthalt in Phnom Penh auf nur eine Nacht verkürzt. So hatte ich mehr Zeit in Siam Reap. Siam Reap ist die Touristenhochburg Kambodschas und liegt nur ca. sechs Kilometer von Angkor entfernt. Durch die kleine Veränderung meines Reiseplans war es mir möglich einen ganzen Tag durch Angkor zu wandern. Und das war auch bitter notwendig. Ich habe mir sogar für 15 US-Dollar ein Tuk-Tuk für den ganzen Tag gemietet (inklusive Fahrer), damit ich möglichst viel von Angkor sehen kann. Tuk-Tuks sind hier übrigens das wichtigste Transportmittel. Das sind Mofas mit einem Anhänger, in dem bis zu vier Leute Platz nehmen können.

 

Tempel in Angkor Aber nun will ich euch von der versunkenen Stadt Angkor berichten. Als Tourist wird man in der Regel zunächst nach Angkor Wat gefahren. Der Tempel ist – wie schon angedeutet – riesig. Er ist von einem gigantischen Wassergraben sowie einer dicken Mauer umgeben. Die Gebäude an sich sind mehr oder weniger intakt. Da wurde auch in den letzten 20 Jahren auch echt viel gemacht. Das ist ja DIE Attraktion von Kambodscha. Viel interessanter fand ich aber die Ruinen rund um Angkor Wat. Da stellt sich nämlich so eine Jungelbuch-Atmosphäre ein. Ruinen in AngkorTeilweise sind die stark zerfallen. Außerdem sind sie überwuchert mit Vegetation. Die Zerstörungen kommen leider nicht alle durch den Dschungel, sondern zu einem Großteil vom Wahnsinn der Roten Khmer. Man findet in vielen Tempelanlagen Götterstatuen, deren Köpfe abgeschlagen wurden. Teilweise sind sogar in Reliefs die Köpfe weggemeißelt worden. Eine Pyramide haben die Khmere Rouge (so werden sie eigentlich genannt) sogar abgetragen. Die Reste haben Sie dann im ganzen Dschungel verteilt. Daher dauert es auch etwas die Tempel zu restaurieren. Wobei ich ja hoffe, dass die Kambodschaner nicht alles restaurieren. Gerade die zerfallenen Tempel haben eben so viel mehr Atmosphäre. Sie zeugen davon, dass nichts von Dauer ist, da der Verfall hier so aussieht, als sei er gerade im Begriff zu geschehen. Als könnte man zuschauen, wie die Steine sich bewegen.

Überwucherungen in Angkor

Ein weiteres interessantes Detail ist der Umgang mit Wasser. Angkor wurde quasi mitten im Dschungel gebaut. In der ganzen Region regnet es sehr viel (seit ich hier bin gab es jeden Abend einen regelrechten Wolkenbruch mit Gewitter). Die Khmer hatten also das Problem, dass sie das ganze Wasser irgendwo hinleiten mussten, da ihnen sonst die ganze Hauptstadt früher oder später weggespült werden würde. Um Angkor Wat ist daher ein riesiger Wassergraben angelegt. Der umfasst 1,5 km x 1,3 km und ist ca. 190 m breit. Schon dieser Graben ist in der Lage eine ganze Menge Wasser aufzunehmen (leider kenne ich seine tatsächliche Tiefe nicht). Außerdem kühlt er die Umgebung leicht ab. Noch viel größer sind aber die sogenannten Barays (http://de.wikipedia.org/wiki/Baray), die im Umland der alten Stadt liegen. Sie sind gigantisch groß (im verlinkten Wikipedia-Artikel kann man das sehr gut sehen), und dienten als Wasserreservoir. In Ihnen wurde unheimlich viel Regenwasser gesammelt, was dann im Nachhinein an die umliegenden Felder abgegeben wurde.

 

Ich finde, dass es erstaunlich ist, dass die Khmer im 12. Jahrhundert mitten im Dschungel eine Stadt unterhalten konnten, deren ganzer Ballungsraum größer war als der des heutigen Berlins. Da verwundert es wenig, dass die Kambodschaner verdammt stolz auf ihr Angkor sind.

 

Zu den aktuellen Umwelt- und Energieproblemen des Landes möchte ich auch noch kurz etwas mitteilen. Zunächst ist mir in Phnom Penh aufgefallen, dass dort überall Müll rumliegt. Man kann dort nachts nicht auf dem Bürgersteig laufen, weil man nicht weiß wo man als nächstes hinein treten könnte. Der Staat in Kambodscha ist nur sehr schwach. Er nimmt ja auch kaum Steuern ein. Das Benzin kostet hier nur 1,25 US-Dollar. Zigaretten nur ungefähr einen Dollar, und Einkommenssteuer kann man in einem Land ohne großartige Bürokratie (denn für die braucht man ja Geld) nur sehr schwer eintreiben. Da der Staat nun kein Geld hat, kann er auch nicht für die Müllabfuhr sorgen. Einzige Ausnahme ist da Siam Reap. Hier gibt es einfach enorm viele Touristen, die viel Geld in die Stadtkasse bringen. Und daher gibt es hier auch weniger Müll auf der Straße (obwohl es immernoch mehr ist, als in westlichen Ländern). Das Zweite Problem ist, dass die Bevölkerung (und der Tourismus) schneller wächst, als die Versorgung mit Strom und Wasser. Ein Hotelbesitzer hat mir erzählt, dass sie daher mit Ausfällen der Strom- und Wasserversorgung zu kämpfen haben. Er meinte auch, dass er sich gern eine Solaranlage auf das Dach bauen würde, nur gibt es hier leider keine Profis, die ihm das zum Einen installieren, zum Anderen aber auch eine passende Anlage liefern. Das fand er sehr schade, denn hier in Kambodscha scheint viel Sonne. Viele Hotels haben übrigens einen kleinen Wasserspeicher, um die Ausfälle auszugleichen. Das sorgt interessanter Weise dafür, dass man abends auch ohne den Durchlauferhitzer warmes Wasser hat, denn die Isolierung des Tanks scheint – zumindest in meiner Unterkunft – eher dürftig zu sein.

 

Das soll es jetzt aber aus Kambodscha gewesen sein. Ich freue mich jetzt auf Bangkok. Das wird sicher spaßig 😉

 

Liebe Grüße in die Heimat

 

 

Christian