Kuala Lumpur – Herz des malayischen Tigers

Petronas Twin Towers, Kuala Lumpur

 

Hallo liebe Leser,

 

heute melde ich mich aus meiner vorletzten Station: Kuala Lumpur, Malaysia.

Die Fahrt nach KL war ein ziemliches Abenteuer, und eine der längsten Fahrten auf meiner Reise (nur die Zugfahrt durch Vietnam hat länger gedauert). Es ging damit los, dass ich gegen 14:00 Uhr in Bangkok in den Zug gestiegen bin. Geplante Ankunftszeit laut dem Touriguide aus meinem Hostel: 12:55 Uhr am nächsten Tag in Butterworth, Malaysia. Mein Anschlusszug nach Kuala Lumpur sollte 14:00 Uhr losfahren. Also 1:05h Zeit zum Umsteigen. Das sollte reichen. Schon während der Fahrt bemerkten ich aber, dass die Ankunftszeit auf meinem Plan falsch war, denn im Gegensatz zu allen anderen Fahrplänen auf dieser Welt, war ausgerechnet auf diesem die Zeitverschiebung nicht berücksichtigt. Malayische Zeit liegt nämlich eine Stunde vor der Thailändischen. Damit schmolz meine Umstiegszeit direkt auf fünf Minuten zusammen. Dazu kam noch, dass der Zug immer mehr Verspätung anhäufte. Am Ende waren es eine Stunde und 15 Minuten. Am Bahnhof von Butterwort habe ich mich dann erkundigt, wann der nächste Zug fährt: 23:00 Uhr. Ankunft in KL früh um 8 am nächsten Tag. Das war mir zu spät, also musste ich nach Alternativen suchen, und bin zum Busbahnhof gelaufen.

Für umgerechnet nur 8 Euro habe ich da einen Bus nach Kuala Lumpur gefunden. Der Bus war der Wahnsinn! Die Bestuhlung hat eher an einen Luxusbus erinnert. Statt vier Sitzen nebeneinander nur drei. Außerdem eine gigantische Beinfreiheit. Man konnte die Sitze so weit nach hinten stellen, dass man fast lag. Und das sogar ohne den Mitfahrer hinter sich zu belästigen.

Die Fahrt war allerdings sehr abenteuerlich. Der Busfahrer war im Nebenjob wahrscheinlich Rennfahrer. Von Butterworth nach Kuala Lumpur kann man durchgehend auf der Autobahn fahren. Das tat der Fahrer natürlich auch. Nur durchgehend auf der Überholspur. Der ist mit über 100 Meilen pro Stunde über die Autobahn geheizt (mit einem Bus!) und hat die anderen PKWs weggedrängelt. Das hat mich schon ein wenig beunruhigt. Nach fünf Stunden Fahrt kam ich dann aber endlich (lebend) in Kuala Lumpur an.

Am nächsten Tag bin ich dann auf Tour gegangen. Dabei merkt man sofort, dass Malaysia sehr viele Kulturen vereint. Es gibt hier einen Kolonialen Stadtbezirk, den die Engländer gebaut haben. Dann gibt es Chinatown und little India. Und überall sieht man Moscheen, Hindutempel und sogar Kirchen. Hier gibt es eben von allem etwas. Den starken muslimischen Einfluss sieht man hier auch in der Architektur von ganz normalen Gebäuden. Ob das nun der Bahnhof, oder der Königspalast ist, vieles sieht ein wenig aus wie in Tausendundeine Nacht.

Königspalast

Auf meiner Sight-Seeing-Touren standen natürlich die Twin Towers mit auf dem Programm. Für 10 Euro (Studentenpreis!) bekommt man eine Tour über die berühmte Skybridge und durch die Aussichtslounge im 86. Stockwerk. Auf der Skybridge konnte ich Kuala Lumpur in der Abenddämmerung sehen. Leider war es etwas neblig, aber ich war sowieso noch viel gespannter, wie es wohl in der Nacht aussehen würde, wenn die ganze Stadt anfängt mit leuchten. Nach 20 Minuten wurde ich dann in den Fahrstuhl weiter nach oben geführt. Dort oben ist die Aussicht natürlich genial! Sie wäre aber noch genialer gewesen, wenn die Fenster sauber gewesen wären. Das hat sowohl das Herausschauen, als auch das Fotografieren erheblich erschwert. Schade.

Ich hatte ja versprochen, dass ich das Müllproblem näher beobachten werde. Hier in KL rennen in manchen Gegenden immernoch Ratten über die Straße, aber es liegt nicht mehr ganz so viel Müll rum, wie in Thailand. Ich habe hier auch zum ersten Mal seit China eine Müllabfuhr gesehen. Insgesamt wirkt die Stadt wieder etwas sauberer. Ich vermute, dass das direkt, oder indirekt damit zusammenhängt, dass Malaysia schlicht mehr Geld durch den Ölexport hat. Der Staat kann sich hier einfach mehr leisten. Sogar der Benzinpreis wird subventioniert, was dazu führt, dass man hier für 50 Eurocent pro Liter tanken kann. Das erklärt vielleicht auch, warum der Busfahrer so unökonomisch fahren konnte.

Von meiner letzten Station – Singapore – werde ich euch vermutlich erst berichten, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Bis dahin: liebe Grüße,

Christian